Homeoffice, Fernunterricht, Mehrfachbelastung: Eine repräsentative Umfrage von Eurac Research im Auftrag der Familienagentur mit über 2.200 Teilnehmenden hat erhoben, wie Familien durch die Pandemie kamen.

Frauen von Mehrfachbelastungen stärker betroffen
Insgesamt mussten fast 40 Prozent der interviewten Personen ihre Arbeit unterbrechen, haben sie gewechselt oder ihre Arbeit gar verloren. Für rund ein Viertel haben sich die geleisteten Arbeitsstunden verringert, während 14 Prozent angaben, während der Pandemie mehr gearbeitet zu haben. Wenn auch mehr Männer (30 Prozent) als Frauen (25 Prozent) ihre Lohnarbeit aufgrund der Covid-19-Maßnahmen unterbrechen mussten, hatten doch letztere höhere Einkommensverluste zu beklagen, welche für ganze 23 Prozent ein großes Problem und für 45 Prozent teilweise ein Problem darstellten. Gleichzeitig wurde auch die Erschöpfung bei der Arbeit von weiblichen Befragten höher empfunden. Frauen waren von den Mehrfachbelastungen stärker betroffen, denn ein Großteil aller Haushalts- und Betreuungszuständigkeiten fiel auf sie zurück. Aus diesem Grund gestaltete sich auch das Homeoffice, insbesondere mit Kindern im Haushalt, für Frauen deutlich belastender. Nicht verwunderlich ist es daher, dass sich die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit während der Pandemie für insgesamt 36 Prozent der Befragten verschlechtert hat, während nur neun Prozent von einer Erleichterung sprachen. Obwohl einerseits Vorteile wie die flexiblere Arbeitseinteilung und die bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeit insbesondere für Pendlerinnen und Pendler genannt wurden, bedeutete für 49 Prozent die Trennung von Privat- und Berufsleben eine große Herausforderung, 74 Prozent fehlte zudem der soziale Kontakt bei der Arbeit.
Zunahme an Stress und Spannungen in den Familien
Obwohl sich der Großteil der Befragten (65 Prozent) an die Pandemie gut oder eher gut anpassen konnte, gaben 71 Prozent an, dass sich ihre Lebensqualität aufgrund der Pandemie verschlechtert habe. In beinahe der Hälfte der Haushalte war eine Zunahme an Stress und Spannungen erlebbar, vor allem in Familien mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. Auch psychologische Belastungserscheinungen traten in Form von Lustlosigkeit, Unruhe, Rückzug oder Passivität auf, ebenso verzeichnet die Studie eine Zunahme an exzessivem Digitalverhalten und Ernährungsproblemen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus unterschiedlichen Haushalten Südtirols nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Sie konnten ihre Antworten mittels eines Online-Fragebogens aber auch telefonisch abgeben. „Im Zuge einiger offener Fragen nutzen die Befragten die Möglichkeit, auch detailliert auf ihre Situation einzugehen und ihre Schwierigkeiten und Wünsche zu schildern“, betonen die Forscherinnen von Eurac Research. Hierbei wurden unter anderem finanzielle Soforthilfen für sozialschwache Familien, eine klare Kommunikation und klare Maßnahmen oder die realistische Anpassung der Notbetreuungszeiten an die tatsächlichen Arbeitszeiten inklusive Anfahrt zum Arbeitsplatz genannt.

Zweite Befragung im Sommer 2022
Die vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf die erste Befragung zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Südtiroler Individuen und Haushalte. Um auch mögliche Veränderungen im Zeitverlauf zu erheben, ist im Sommer 2022 eine weitere Befragung geplant.
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