Die 4. Ausgabe der Reihe „Understanding Globalization“ beleuchtet die Produktion und Verbreitung von Wissen in einer globalisierten Welt
Roland Benedikter, Tommaso Durante, Christoph Kircher, Kathleen Schlütter, Harald Pechlaner, Manfred Steger, Mirjam Gruber, Ingrid Kofler, James Mittelman, Zoe Krueger Weisel, Chiara Paris und Jennifer Altehenger
Credit: Eurac Research | Valeria von MillerKeine Hinweise auf ein Ende der Globalisierung
Erneut zu Gast bei Eurac Research war der Globalisierungsforscher Manfred B. Steger. Er analysierte Globalisierung aus einer differenzierten Perspektive und schaffte zunächst einen theoretischen Rahmen. Differenzierung müsse fest in die Globalisierung integriert werden. Insbesondere der Begriff der „sozialen Symbiose“ könne für die Globalisierungstheorie herangezogen werden: So bezeichnet „Symbiose“ die Verbindung und Interaktion zwischen verschiedenen Globalisierungsformationen, wobei keine Formation ohne die andere existieren könne. Er hob ebenfalls hervor, dass es keine Hinweise auf eine Deglobalisierung – also ein Ende der Globalisierung – gebe und auch keine Hinweise auf eine stärkere Regionalisierung.
Ebenfalls einen theoretischen Zugang zu Globalisierung präsentierte der politische Philosoph Sebastiano Maffettone. Er sprach zu politischem Realismus, liberale Demokratien, über Pazifismus und die Möglichkeit eines gerechten Krieges, nämlich dann, wenn er der Verteidigung liberaler Demokratien diene. Auch der Ökonom Henning Vöpel schloss seinen Vortrag zu Wellen, Paradigmen und Narrativen der Globalisierung mit einem Ausblick zur Zukunft liberaler Demokratien. Sie seien mit einer massiven Vertrauenskrise konfrontiert, in der ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr darauf vertraue, dass die Demokratie den zahlreichen Krisen zugunsten der Bevölkerung beikommen könne. Um dieses Vertrauen zu erneuern, brauche es neue Narrative.
Promoting new generations in Globalization studies
Der politische Ökonom James Mittelman stellte mögliche Szenarien zur Zukunft der Globalisierung vor: das liberale, das katastrophale und das hoffnungsvolle Szenario. Die Zukunft der Globalisierung sei aber vor allem ein Kampf der Ideen und ein Kampf der materiellen und sozialen Kräfte, betonte er. Wie nun eine Dekolonialisierung der Globalisierung gelingen könne? Dafür fand die Konferenz eine sehr pragmatische Antwort: nämlich könne man diese nur in Gang setzen, wenn weiße Männer in den Hintergrund treten und ihre Energie darauf verwenden würden, neue Generationen zu fördern, die nicht demselben Profil entsprächen wie sie selbst.
Teil der Konferenz war außerdem die Buchvorstellung der bei University of California Press erschienenen Publikation “Globalization – Past, Present, Future”. Zoe Krueger Weisel, Politologin am Center for Advanced Studies, moderierte ein Gespräch mit den Herausgebenden Manfred B. Steger und Ingrid Kofler sowie mit dem Globalisierungs- und Mediatisierungsforscher Tommaso Durante. Ebenfalls vorgestellt wurde das Journal New Global Studies (NGS, De Gruyter), welches in Zusammenarbeit mit den Forschenden am Center for Advanced Studies von Eurac Research herausgegeben wird. Christoph Kircher, Soziologe bei Eurac Research und Managing Editor gab einen Einblick in Ursprungsidee, thematische Ausrichtung und Publikationskriterien des peer-reviewed Journals.


