Die Vögel der Alpen und die Rolle der Landwirtschaft
Ein Mosaik aus natürlichen und kultivierten Lebensräumen, Weiden und Obstgärten: So hat die traditionelle Landwirtschaft die europäischen Berggebiete über Jahrhunderte geprägt, hat vielfältige Landschaften geschaffen, die eine außergewöhnliche Artenvielfalt beherbergen. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist dieses Gleichgewicht jedoch ins Wanken geraten: Immer größere Felder und fragmentierte, weniger vielfältige Lebensräume haben den Raum für Biodiversität eingeschränkt.
Wie sich diese Veränderungen auf die Alpenvögel auswirken, zeigt eine vom Ornithologen Matteo Anderle koordinierte Studie. Die Untersuchung analysierte, welche ökologischen Faktoren das Vorkommen von Vogelgemeinschaften in den Anbaugebieten der Alpen beeinflussen, und zählte 2.046 Exemplare, die 61 verschiedenen Arten angehören. Am zahlreichsten sind Amseln und Italiensperlinge, mit insgesamt über 400 Exemplaren. Die seltensten Arten sind hingegen der Schwarzspecht und die Alpenmeise.
Darüber hinaus haben die Forschenden 142 Lebensraumtypen kartiert, von denen 96 als natürlich oder naturnah und 40 als kultiviert klassifiziert wurden. Es zeigte sich, dass natürliche und naturnahe Habitate, gemeinsam mit der Vielfalt der Landschaft, den Reichtum und die Vielfalt der Arten deutlich begünstigen. Auch Faktoren wie Höhe und Hangneigung spielen eine wichtige Rolle, allerdings indirekt, indem sie unterschiedliche ökologische Nischen schaffen und die Auswirkungen der Landwirtschaft begrenzen.
In Agrarlandschaften natürliche Lebensräume zu bewahren und zu fördern ist daher von grundlegender Bedeutung, um widerstandsfähige und funktionsfähige Ökosysteme zu erhalten. Eine artenreiche und große Vogelgemeinschaft ist nicht nur ein Indikator für die Gesundheit der Umwelt, sondern leistet auch wertvolle Dienste, etwa bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft.
„Bei der Planung landwirtschaftlicher Flächen müssen die Bedürfnisse aller Vogelarten berücksichtigt werden“, betont Anderle. „Bewirtschaftungsstrategien sollten ihnen helfen, geeignete Lebensräume zu finden – insbesondere in einem Kontext rascher Klimaveränderungen. In Obstgärten etwas Boden unbewachsen zu lassen, kommt beispielsweise Arten zugute, die sich von Ameisen ernähren; Arten, die am Boden nisten, kann man dagegen durch unberührte Geländestreifen am Feldrand unterstützen, sogenannte Pufferzonen.“
Der vollständige Artikel ist frei verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301479725031457?via%3Dihub




