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Wo steht Südtirol auf dem Weg zur Klimaneutralität?

Das Klimaplanmonitoring zeigt, wie sich die Emissionen in Südtirol entwickeln

by Laura Defranceschi

Im Wärmesektor, also beim Heizen in Gebäuden, ist eine deutlich positive Entwicklung zu vermerken; der Verbrauch von Diesel und Benzin hingegen hat im Verkehrssektor beispielsweise seit 2010 um vier Prozent zugenommen. Wie sich die Emissionen in Südtirol entwickeln, kann mit dem Klimaplanmonitoring online fortlaufend mitverfolgt werden.

Im Klimaplanmonitoring hat Eurac Research den Verbrauch fossiler Brennstoffe in den Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie von 2010 bis heute erfasst. „Wir haben das Monitoring ausgehend vom Klimaplan Südtirol in Abstimmung mit der Landesregierung konzipiert und ausgearbeitet. Die Daten haben wir aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und werden sie – wo vorhanden – fortlaufend aktualisieren“, erklärt Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research. Noch nicht enthalten ist der Bereich Landwirtschaft. Doch kann schon ein erstes Resümee gezogen werden – auch dank der zusätzlich erfassten indirekten Indikatoren zu Emissionen wie zum Beispiel der Anzahl der energetisch sanierten Gebäude, der Verbreitung von Fernwärme, der Anzahl der verkauften Autos – aufgeschlüsselt nach Antriebsart – oder der gefahrenen Kilometer, sowohl im Individualverkehr als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Früher ging es darum, wie man grundsätzlich Emissionen senken kann. Jetzt hat die Frage eine neue Dringlichkeit bekommen: Wir müssen Wege finden, die Emissionen möglichst schnell und massiv zu senken.

Wolfram Sparber, Eurac Research

Einige Entwicklungen im Überblick:

Mit dem Klimaplan 2040 hat sich das Land zum Ziel gesetzt, die Emissionen zu senken. Die animierten Grafiken mit einigen Daten aus dem Klimaplanmonitoring zeigen den historischen Verlauf (2010-2019) der CO₂e-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und den geplanten Weg. Das Jahr 2030 ist hervorgehoben, da im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzübereinkommen die Emissionen bis dahin um 55 Prozent im Vergleich zu 2019 reduziert werden sollen. Das erklärte Ziel der Südtiroler Landesregierung ist die Klimaneutralität bis 2040.

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Eurac Research/Fabio Dalvit, Oscar Diodoro

„Aktuell müssen wir die Anstrengungen noch verstärken, wenn wir bis 2040 ein klimaneutrales Südtirol erreichen wollen. In vielen Sektoren sind die Emissionen in den vergangenen zehn Jahren nahezu gleich geblieben oder sogar gestiegen. Ein positives Beispiel ist der Bereich Wohnen und Heizen, in dem die Emissionen signifikant gesunken sind“, unterstreicht Marc Zebisch, Leiter des Centers for Climate Change and Transformation von Eurac Research. Mit dieser Entwicklung steht Südtirol nicht alleine da, wie Sparber deutlich macht: „Wir sehen, dass es auf der gesamten globalen Ebene in den vergangenen Jahrzehnten einen konstanten Anstieg im Öl- und Gasverbrauch gegeben hat. Um die Klimaneutralität zu erreichen, braucht es verstärkte Anstrengungen und zum Teil einen Richtungswechsel, da – wie es die Daten zeigen – die bisherige Entwicklung kaum zu einer Senkung der CO₂-Emissionen geführt hat.“

Aktuell müssen wir die Anstrengungen noch verstärken, wenn wir bis 2040 ein klimaneutrales Südtirol erreichen wollen. In vielen Sektoren sind die Emissionen in den vergangenen zehn Jahren nahezu gleich geblieben oder sogar gestiegen.

Marc Zebisch, Eurac Research

Angesetzt werden muss laut den Experten vor allem im Mobilitätssektor mit einer deutlichen Änderung im Fuhrpark und einer schrittweisen Änderung der Verhaltensweisen sowie im Bereich der genutzten Heizsysteme. Denn „jede Gasheizung, die wir heute neu installieren, wird auch noch im Jahr 2040 in Betrieb sein“, sagt Sparber. Die energetische Sanierung der bestehenden Gebäude ist ein weiteres wichtiges Element, dennoch könnten im Mobilitätssektor schnellere Reduktionen erreicht werden. Er resümiert: „Früher ging es darum, wie man grundsätzlich Emissionen senken kann. Jetzt hat die Frage eine neue Dringlichkeit bekommen: Wir müssen Wege finden, die Emissionen möglichst schnell und massiv zu senken. Dies eröffnet auch die Möglichkeit, die Energiekosten zu senken und den Mehrwert für Südtirol deutlich zu steigern.“

Das Klimplanmonitoring für Südtirol


Unter folgendem Link kann das Klimaplanmonitoring Südtirol abgerufen werden: www.eurac.edu/de/data-in-action/klimaplan-monitoring-suedtirol

Die Daten für das Klimaplanmonitoring Südtirol stammen von folgenden Quellen: Emissionsinventar INEMAR der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, erarbeitet in Kooperation mit CISMA Srl; Bollettino Petrolifero, Google Environmental Insights 2022, Astat, Studie MONITRAF!, Amt für Energie und Klimaschutz Bozen, Brennerautobahn AG, Landesagentur für Energie und Klimaschutz, Agentur für Energie Südtirol - KlimaHaus, TERNA Statistiche Regionali.

Konzipiert und erarbeitet wurde das Monitoring von Eurac Research in Abstimmung mit der Südtiroler Landesregierung, finanziert wurde es durch Gelder aus dem Projekt i-NEST über den nationalen PNRR-Plan.

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