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Risikopatienten beim Bergsport: Kann Höhenakklimatisation vor Herzinfarkt schützen?

Neue Testreihe im Extremklimasimulator terraXcube

Derzeit untersuchen Physiologen und Ärzte von Eurac Research im Extremklimasimulator terraXcube, ob die Akklimatisation auf einer Meereshöhe von 1.900 Metern Patienten mit koronarer Herzerkrankung vor gesundheitlichen Risiken bei Alpinsportaktivitäten schützt.

Wandern oder Skifahren gelten allgemein als gesundheitsfördernd. Für Patienten mit koronarer Herzerkrankung – mit Verengung der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen – birgt Bergsport jedoch das Risiko eines plötzlichen Herztodes oder Herzinfarkts. Diese Ereignisse treten insbesondere bei älteren bzw. untrainierten Menschen mit Vorerkrankung auf und können durch abrupte Änderung des Blutdrucks und der Herzfrequenz ausgelöst werden. Eine gute medikamentöse Einstellung und ein guter Fitnesszustand können einem Herzinfarkt jedoch vorbeugen.

Nun untersuchen Physiologen und Ärzte von Eurac Research, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck und dem Istituto Auxologico in Mailand, ob auch eine sogenannte hypoxische Präkonditionierung schützen kann. „Verbringt ein Patient mit einer koronaren Herzerkrankung vor der alpinsportlichen Betätigung eine Nacht auf mittlerer Höhe, könnte das die Sauerstoffsättigung im Blut steigern, gleichzeitig Herzfrequenz und Blutdruck während der Belastung senken und so vor einem Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod schützen“, meint Hannes Gatterer, Physiologe von Eurac Research. „Dazu gibt es derzeit jedoch noch keine wissenschaftlichen Daten. Der terraXcube bietet uns die Möglichkeit, diese erstmals zu sammeln“.

Photo: Annelie Bortolotti | Eurac Research

Im Rahmen der Studie verbringen die Probandinnen und Probanden mit koronarer Herzerkrankung und im Alter ab 45 Jahren, eine Nacht auf einer simulierten Höhe von 1.900 Metern, während die Kontrollgruppe auf Bozner Höhe (250 Meter Meereshöhe) bleibt. Am Folgetag führt das Ärzteteam Ruhemessungen durch, danach kommen Laufband und Skisimulator zum Einsatz, auf denen sich die Teilnehmer auf einer simulierten Höhe von 3.000 Metern körperlich betätigen. Dabei überwachen die Forscherinnen und Forscher kontinuierlich Sauerstoffsättigung, Elektrokardiogramm, Atemfrequenz und Blutdruck der Studienteilnehmer. Vor und nach der Präkonditionierung und den Belastungstests messen sie außerdem die wahrgenommene Anstrengung sowie verschiedene Entzündungs-, Herz- und allgemeine Stressmarker.

Die Ergebnisse dieses Projekts sollen Aufschluss darüber geben, ob älteren und untrainierten Personen, die einen Aktivurlaub in den Bergen planen, eine Akklimatisationsphase empfohlen werden sollte, um das kardiovaskuläre Risiko während des Aufenthalts zu senken.

Erste Studienergebnisse sind Ende dieses Jahres zu erwarten. Die Studie wird im Rahmen des Landesgesetzes Nr. 14/2006 von der Autonomen Provinz Bozen finanziert.

Bei Interesse an der Studie teilzunehmen, können Sie sich an Dr. Giovanni Vinetti, giovanni.vinetti@eurac.edu, wenden.

Nähere Informationen zu den Teilnahmevoraussetzungen finden Sie hier: https://bit.ly/3rS6Uuk

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