Besuch der Universitäten Amsterdam und Utrecht, des Hafens von Rotterdam und der nationalen Tourismusorganisation
Gerade in Zeiten von Polarisierung, Desinformation und wachsendem Misstrauen gegenüber der Wissenschaft ist die internationale Vernetzung von Forschenden von besonderer Bedeutung. Die komplexen Herausforderungen unserer Gegenwart lassen sich nicht isoliert, national oder disziplinär begrenzt lösen. Themen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit, Digitalisierung, Gesundheitskrisen oder der Schutz demokratischer Strukturen überschreiten geografische und fachliche Grenzen. Die diesjährige Forschungsreise des Teams am Center for Advanced Studies führte daher in die Niederlande, wo sich die Forschenden mit Vertreterinnen und Vertretern führender wissenschaftlicher Einrichtungen und innovativer Institutionen trafen, deren Forschungsschwerpunkte eng mit den Themen des Center for Advanced Studies in Bozen verbunden sind. Ziel war es, neue Impulse zu gewinnen, Netzwerke auszubauen und sich zu Perspektiven für die Gestaltung gesellschaftlicher Transformationsprozesse auszutauschen.
Den Auftakt der Reise bildete ein Gespräch mit Marco Hennis, dem ehemaligen niederländischen Botschafter in Österreich und Großmeister im Dienst der niederländischen Monarchie. In seiner langjährigen diplomatischen Laufbahn war Hennis unter anderem für die NATO in Islamabad, Belgrad, Den Haag und Brüssel im Einsatz. Mit seiner außenpolitischen Erfahrung ordnete er die Rolle der Niederlande auf der internationalen Bühne ein und spannte zugleich einen Bogen zur aktuellen politischen Lage. „Gott schuf die Erde, doch die Niederländer schufen die Niederlande“ – dieses bekannte Sprichwort bestätigte sich auf einer Stadttour mit Paul Vlok, der einen Einblick in IJburgs Ansatz zur Stadterweiterung Amsterdams gab. Auf künstlich angelegten Inseln entstanden und enstehen ganze Wohnviertel und schwimmende Häuser, die eindrucksvoll zeigen, wie die Niederlande dem Wasser durch innovative Planung und Gestaltung und trotz kritischer Prognosen neue Lebensräume abringen.
Eine inspirierende Station war das Athena Institute der Vrije Universiteit Amsterdam, das für seinen konsequent transdisziplinären Ansatz bekannt ist. Ziel des Instituts ist es, Forschung und Innovation stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten. Im Austausch mit Anne Loeber (Associate professor of Governance and Sustainability), Caroline Meier zu Biesen (Assistant professor of transdisciplinary global health), Renate Baumgartner (Assistant professor of participatory AI), Kristiaan Kok (Assistant professor of politics & governance of sustainability transitions) und Francesca Morselli (Postdoctoral fellow) diskutierte das Team des Center for Advanced Studies über partizipative Forschung, die Einbeziehung der Gesellschaft in den Forschungsprozess, nachhaltige Transformation, globale Gesundheitsfragen sowie die Entwicklung inklusiver und verantwortungsvoller Künstlicher Intelligenz.
Einblicke in eine andere Dimension globaler Herausforderungen ermöglichte der Besuch beim Port of Rotterdam, einem der weltweit größten Seehäfen und dem größten Tiefwasserhafen Europas. Kenzo van Maris (Business Manager for Shippers & Forwarders and Trans-Atlantic Trade), skizzierte das ambitionierte Vorhaben des Port of Rotterdam, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dabei standen auch die Rolle des Hafens im internationalen Handel und seine strategische Bedeutung für Europa im Fokus.
In Utrecht erwarteten das Team gleich zwei Termine an der dortigen Universität. Am IOS – Institutions for Open Societies gaben Selin Dilli (Associate Professor of Economic History) und Marnix De Witte (External Cooperation Coordinator) Einblick in aktuelle Forschungsansätze rund um die Zukunft offener und resilienter Gesellschaften. Hauptaugenmerk ist es dabei, den Wandel zu einer Gesellschaft zu begleiten, die sich durch eine flexible demokratische Strukturen, individuelles Wohlergehen mit den dazugehörigen Freiheitsrechten und Menschenrechten, Gleichberechtigung, Vielfalt sowie freien Zugang zu Information auszeichnet. Auch bei diesem Treffen wurde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Gesellschaft deutlich.
Ein weiterer Höhepunkt in Utrecht war das Treffen mit Bruce Mutsvairo, UNESCO Chair on Disinformation, Data and Democracy sowie Chair for Media, Politics and the Global South am Department of Media and Culture Studies. In diesem Gespräch ging es um die Bedeutung von Medienkompetenz und Journalismus, den Schutz demokratischer Werte im digitalen Zeitalter sowie um die Herausforderungen rund um Desinformation und Fake News.
Abschluss der Reise bildete ein Besuch beim Netherlands Board of Tourism and Conventions in Den Haag. In einer Plenarsitzung stellte Anouk van Eekelen, Direktorin für Destinationsentwicklung, die Tourismusstrategie 2030 für die Niederlande mit Fokus auf Transformation, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung vor. In anschließenden Break-out-Sessions vertieften die Teilnehmenden mit Michael Siebers (Digitalisierung), Thijs de Groot (Nachhaltigkeit und Klima), sowie Eelco Snip (zukünftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends) zentrale Fragestellungen rund um die Zukunft des Tourismus und die Gestaltung lebenswerter Regionen.
Die Forschungsreise in die Niederlande hat gezeigt, wie wichtig internationale Kooperation, interdisziplinäre Perspektiven und gesellschaftliche Verantwortung für zukunftsorientierte Forschung sind – Prinzipien, die auch das Center for Advanced Studies in seiner täglichen Arbeit leiten.

