Voller Saal im NOI Techpark anlässlich der Tagung „Philosophie der Zukunft – Zukunft der Philosophie“
Philosophie der Zukunft – Zukunft der Philosophie
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Philosophie in der praktischen Anwendung
„Keine Angst vor der Anwendbarkeit“ lautete der Vortragstitel von Ludger Jansen, Cusanus-Professor für Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Philosophie der biologischen Alterungsforschung. So habe die wissenschaftliche Community der Alterungsforschung ein Dissens-Paper veröffentlicht, in dem dargelegt werde, dass man sich eigentlich nicht einig sei, worüber genau geforscht werde und was mit Altern genau gemeint sei. Hier kommt die Philosophie mit Jansen ins Spiel, der mit den in dem Gebiet arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zunächst einen gemeinsamen Begriffsrahmen entwickeln konnte. Dabei kam die Technik des philosophischen Analysierens und der begrifflichen Klarheit ganz praktisch zum Einsatz.
Thema des Vortragsabends war auch die CHRIS-Studie, die bereits seit über 10 Jahren im Vinschgau durchgeführt wird und von der Roberta Biasiotto, Forscherin am Institut für Biomedizin von Eurac Research berichtete. Die Studie untersucht den Gesundheitszustand von über 13.300 Personen über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei werden auch Gene identifiziert, die auf eine Veranlagung zur Entwicklung einer Krankheit hindeuten, oder Gene, die die Krankheitsentwicklung beeinflussen können. Genetische Dispositionen, von denen die Studienteilnehmenden aber vielleicht im Einzelnen noch nichts wissen und auch nichts wissen möchten. Vor allem im Umgang mit Gesundheitsdaten spiele daher die Art und Weise der Kommunikation genealogischer Ergebnisse und die Einbeziehung von Forschenden, die genau auf diese ethischen Komponenten achten, eine unglaublich wichtige Rolle.
Ziel der Philosophie sei die Humanisierung der Lebensbedingungen der Menschheit auf diesem Planeten, und zwar nach ethischen Kriterien, schloss auch Julian Nida-Rümelin. Man dürfe sich nicht auf eine befreiende disruptive Revolution durch neue Technologien verlassen. Diese Hoffnung sei auch in der Vergangenheit regelmäßig enttäuscht worden. Philosophie sei ausschlaggebend dafür, echte Transdisziplinarität zu praktizieren und das große Ganze in den Blick zu nehmen, gerade in Zeiten tiefgreifender, kaum noch in Einzelwissenschaften verstehbarer Krisen.
Der Vortragsabend im NOI Techpark wurde von Michael de Rachewiltz, Philosoph am Center for Advanced Studies organisiert. Die Grußworte sprach Eurac Research-Präsident Roland Psenner. Es moderierte Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies.


