Das Forschungsprojekt MinBorderscapes untersucht die lokale und regionale grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Schwerpunkt auf Grenzgebieten mit Minderheiten. Zudem analysiert es europäische Politiken zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und konzeptualisiert diese EU-Politiken und die Zusammenarbeit vor Ort als zwei Phasen eines Politikzyklus, nämlich Politikformulierung und Politikumsetzung.
Das Projekt verdeutlicht, dass die Forschung zu Minderheiten einen interessanten Aspekt innerhalb des multidisziplinären Feldes der Grenzstudien darstellt. Minderheitenstudien können die Forschung zu Grenzen und Grenzräumen gut ergänzen, indem sie auf Lokalität anstelle von Staatszentriertheit setzen und ein besseres Verständnis für kontextuelle Bedingungen in Grenzregionen liefern. Beides kann sowohl die konzeptionellen und theoretischen Grundlagen als auch die empirische Arbeit in der Grenz- und Minderheitenforschung bereichern.
Zudem bringt das Projekt die Perspektive der Minderheitenforschung in Studien zur EU-Kohäsionspolitik und zu Instrumenten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ein und bereichert damit die Debatte über die zukünftige territoriale Vision Europas und das Konzept des territorialen und sozialen Zusammenhalts. Forschung zu minderheitenbezogenen multiethnischen und multikulturellen Realitäten von Grenzregionen kann wichtige Erkenntnisse für Debatte über die Stärkung des sozialen und territorialen Zusammenhalts in Europa leisten.
Theoretisch und konzeptionell baut das Projekt auf mehren Strängen auf. Die Analyse von Politikformulierung und Politikwandel auf europäischer Ebene gründet auf Theorien und Konzepten von Integration und Politikgestaltung. Die Forschung zur Zusammenarbeit in den Grenzregionen stützt sich Theorien und Konzepte, die im Bereich der Border Studies entwickelt wurden, insbesondere institutionalistische und governance-bezogene Ansätze.
Methodisch wendet das Projekt qualitative Ansätze mit unterschiedlichen Forschungsdesigns an. Es kombiniert sowohl vergleichende Ansätze verschiedener Grenzregionen als auch Einzelfallstudien. Das Projekt verwendet primäre empirische Daten (gesammelt durch Experteninterviews, Dokumentenanalyse, etc.) und sekundäre empirische Daten (z.B. EVTZ-Monitoring-Berichte des Ausschusses der Regionen, Eurobarometer-Daten etc.)
Schließlich umfasst das Projekt auch einige angewandte Forschungsaktivitäten, die im Auftrag der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino durchgeführt wurden. Diese angewandte Forschung zielt auf die Identifizierung von Erfolgsfaktoren von grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten entlang der italienisch-österreichischen Grenze sowie auf die Rolle der lokalen Behörden in der grenzüberschreitenden Governance im italienisch-österreichischen Grenzraum.