Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen für „Geschlechtergleichstellung“ (SDG 5) und „menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ (SDG 8) zu erreichen, hat die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO, 2019) die Stärkung und Förderung von Frauen in der Tourismusbranche als entscheidend identifiziert – sowohl in Führungspositionen als auch im Unternehmertum.
Obwohl Frauen 60 bis 70 Prozent der Beschäftigten im Hotel-, Gastronomie- und Tourismussektor stellen, bleibt ihr Zugang zu Führungsrollen und unternehmerischen Tätigkeiten weiterhin begrenzt. Dieses Ungleichgewicht zeigt sich auch in Familienunternehmen, wo traditionelle Strukturen und gesellschaftliche Erwartungen dazu beitragen, dass Führungspositionen überwiegend von Männern besetzt bleiben. Trotz der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung familiengeführter Betriebe im Tourismussektor wurde der Rolle von Frauen in diesen Unternehmen – insbesondere in ländlichen Regionen – in der Forschung bisher wenig Beachtung geschenkt.
Unsere Studie konzentriert sich auf familiengeführte Gastbetriebe in Südtirol, einer Region mit hoher touristischer Intensität und einem starken Anteil kleiner und mittlerer Familienunternehmen. Während die Zahl der von Frauen geleiteten Betriebe langsam steigt, bleibt sie unter dem nationalen Durchschnitt. Dies deutet auf bestehende strukturelle und kulturelle Hürden hin. Traditionelle Rollenbilder, die Frauen vorrangig als Verantwortliche für die Familienfürsorge sehen, können ihre unternehmerischen und beruflichen Chancen einschränken und beeinflussen zudem die Weitergabe von Betrieben an die nächste Generation.
Durch einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf Interviews mit Unternehmerinnen und Eigentümerinnen familiengeführter Betriebe im Gastgewerbe, untersucht unsere Studie die Faktoren, die den Zugang von Frauen zu Führungspositionen begünstigen oder erschweren. Dabei analysieren wir insbesondere, wie familiäre Dynamiken und Geschlechternormen die Unternehmensführung prägen, welche Strategien Frauen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben entwickeln und welche Rolle Unterstützungsnetzwerke für ihren beruflichen Erfolg spielen.
Darüber hinaus beleuchtet unsere Forschung die Unterschiede zwischen Frauen, die ein bestehendes Familienunternehmen übernehmen, und jenen, die ein eigenes Unternehmen gründen. Wir analysieren die Beweggründe hinter diesen Entscheidungen: Während einige Frauen bewusst die Führung des Familienbetriebs übernehmen, gründen andere eigenständige Unternehmen – teils, um Konflikte innerhalb der Familie zu vermeiden, teils, um Innovationen umzusetzen, die nicht mit dem traditionellen Geschäftsmodell vereinbar sind.
Mit dieser Studie möchten wir zur Debatte über Geschlechtergerechtigkeit und Unternehmertum im Tourismussektor beitragen. Wir zeigen auf, wie Frauen die Herausforderungen der Branche bewältigen, und identifizieren potenzielle Hebel für Veränderungen, um den Zugang zu Führungsrollen gerechter zu gestalten. Das Verständnis dieser Mechanismen ist nicht nur für mehr Gleichberechtigung entscheidend, sondern auch für die Förderung von Innovation und Nachhaltigkeit in familiengeführten Tourismusbetrieben.





