Eurach Research

77 %

der Holzauszeige 2024 war wetterbedingt

Schadholz durch Naturgefahrenereignisse

FolgenFolgen

Der Schadholzanteil, der auf wetter- und klimabedingte Extremereignisse zurückzuführen ist, wird bei der jährlichen Auswahl der zu fällenden Bäume (Holzauszeige) berücksichtigt. Als „Schadholz” werden Bäume bezeichnet, die aufgrund von Schneedruck, Dürre, Stürmen, Waldbränden und biotischen Schäden entnommen werden müssen. Da der Klimawandel in Zukunft zu mehr Naturgefahrenereignissen führen kann, wird möglicherweise noch mehr Schadholz anfallen.

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    Klimawandel Monitoringby
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    Hintergrundinformationen

    Holzschlägerungen im Wald sind ohne Bewilligung nicht zulässig. Mit der Holzauszeige werden daher die zu fällenden Bäume nach forstökologischen und forstökonomischen Kriterien ausgewählt. Alle Fällungen in Gemeinde- und Agrargemeinschaftswäldern sowie in Schutz- und Bannwäldern sind bewilligungspflichtig. Schneedruck, Trockenperioden (Dürrlinge), Stürme (Windwurf), Waldbrand und Schädlingsbefall können Bäume so stark beschädigen, dass sie gefällt werden müssen.

    Es wird erwartet, dass sich extreme Wetter- und Klimaereignisse durch den Klimawandel in ihrer Frequenz und Stärke verändern (1). Neben den akuten Naturgefahren durch den Klimawandel (Kalamitätsnutzungen) führt die Unterlassung waldbaulicher Anpassungsmaßnahmen dazu, dass vermehrt Schadholz entsteht.

    Beschreibung der Ergebnisse

    Statistisch stellt die Zunahme von wetter- und klimabedingtem Schadholz bisher noch keinen signifikanten Trend dar. In den letzten Jahren war die Entstehung von Schadholz stark von wetterbedingten Großereignissen geprägt. Diese erscheinen jeweils im darauffolgenden Jahr in der Statistik der Holzauszeige.

    Die Stürme des jeweiligen Vorjahres zeichnen sich in den Daten der einzelnen Jahre deutlich ab. So verursachten die Extremwetterereignisse im Jahr 2000 (Sturm Lothar von 1999) und im Jahr 2003 (ein Sturm aus Norditalien von 2002) vorwiegend in den Forststationen Welschnofen, Brixen, Mühlbach, Welsberg, Deutschnofen und Kaltenbrunn Schäden (2). Nach dem Sturm und Windwurf Vaia im Jahr 2018 stieg die Menge des Windwurfholzes in den Folgejahren 2019 und 2020 stark an. In Südtirol waren 5.918 Hektar Wald betroffen, was 1,7 % der Gesamtwaldfläche entspricht. Die hier angefallene Schadholzmenge entspricht beinahe dem dreifachen Jahreshiebsatz (3). Nach Schneedruckereignissen blieb eine große Menge an Schadholz im Wald liegen. Im Jahr 2020 begann die Borkenkäferplage, wobei zuerst das liegende Holz befallen wurde. Ab Juni 2021 vermehrten sich die Fichtenborkenkäfer durch eine Wärmewelle stark und es kam zu einem auffälligen Befall von stehendem Holz. Im Jahr 2022 hatten die Borkenkäfer aufgrund eines niederschlagsarmen Frühlings und eines besonders trockenen und heißen Sommers eine hohe Vermehrungsrate (4). 2024 erfolgten 77 % der Holzauszeige nach wetterbedingten Kriterien.

    Schneedruck tritt in den Datenaufzeichnungen relativ unregelmäßig auf. Die Menge der Schneedruckschäden ist schwer zu bestimmen, da die Schäden sehr lokal auftreten und immer nur dezentral kleine Mengen anfallen. Im steilen und unwegsamen Gelände werden diese Schadflächen nicht bearbeitet. Die Stämme bleiben liegen und dienen Schadinsekten, vor allem dem Borkenkäfer bei der Fichte, als Eintrittspforte. Besonders betroffen vom Schneedruck war der November 2019, als drei Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeer über Südtirol viel Niederschlag – überwiegend in Form von Schnee (ca. 1,5 m) – verursachten. Dadurch entstand eine Schadholzmenge von 900.000 Vorratsfestmetern, was dem 1,4-fachen des jährlichen Hiebsatzes für Südtirol entspricht. Vor allem die Forstinspektorate Welsberg, Bruneck und Brixen waren davon betroffen (3). Fehlende Durchforstungseingriffe zur Pflege und Stabilisierung der Wälder haben das Ausmaß der Schäden durch Schneedruck begünstigt. Vaia und die Schneedruckereignisse traten sehr zeitnah auf, wodurch sich die Schadholzkrise im Forst verstärkte.

    Dürre schwächt die Bäume und kann zu Schäden wie dem Dürrling führen. Dürrlinge sind geschwächte Bäume, die unter Wassermangel nach Hitzeperioden leiden. Sie haben nur noch kleine, durchscheinende Blätter, die teilweise welk sind oder ganz fehlen. Ferner fördert der Niederschlagsmangel die Waldbrandgefahr sowie biotische Schäden durch Schaderreger. Windwurf- und Schneedruckschäden bieten zudem optimale Brutstätten für Schadinsekten, insbesondere für den Borkenkäfer. Daher ist davon auszugehen, dass sich der Anteil biotischer Schäden gegenüber dem bisher geringen Ausmaß in der Datenaufzeichnung in Zukunft stark erhöhen wird.

    Andere Stressfaktoren für die Umwelt wie Luftverschmutzung schwächen die Baumbestände und machen sie anfälliger für Schadinsekten und Pilzbefall – vor allem, wenn die Belastung über einen längeren Zeitraum anhält (5). Um die Wälder widerstandsfähig zu halten, ist eine standortgerechte Waldbewirtschaftung grundlegend. Daher ist es wichtig, naturnahe Waldbestände zu fördern. Diese setzen sich aus ungleichaltrigen und vertikal sowie horizontal gut strukturierten Mischbeständen mit standortgerechten Baumarten zusammen und entsprechen weitgehend der potenziellen natürlichen Vegetation. Die sekundären Nadelwälder, die aus ökonomischen Gründen als wenig strukturierte, gleichaltrige und oft mit nicht standortangepassten Nadelbaumbeständen entwickelt wurden, sind in der Regel die am meisten gefährdeten Bestände.

    Die globale Erwärmung erhöht den Kohlenstoffeintrag in Waldböden, da das Wachstum und der Umsatz der Feinwurzeln beschleunigt werden. Das wäre positiv, da der Kohlenstoffverlust des Bodens durch gesteigerte mikrobielle Atmung dadurch teilweise kompensiert bzw. abgefedert werden könnte. Mit ansteigenden Temperaturen im Waldboden besteht dennoch ein erhöhtes Risiko, dass der Wald seine Funktion als Kohlenstoffsenke verliert und selbst zur Quelle von Kohlenstoff wird (6).

    Methode

    Das italienische Forstgesetz (DECRETO LEGISLATIVO 3 Aprile 2018, N. 34) ist ein Bodenschutzgesetz. Damit hat der gesamte Wald in Italien einen Schutzwaldcharakter. Um Bäume schlagen oder fällen zu können, werden im Rahmen eines Lokalaugenscheins Bäume für die Schlägerung durch Markierung freigegeben und in einem Auszeigeprotokoll dokumentiert. Das hat den Vorteil, dass die Holzauszeige der zu fällenden Bäume im Bestand nach waldbaulichen und waldökologischen Kriterien professionell durchgeführt wird.

    Die Holzauszeige gibt das Jahr der Aufarbeitung des Holzes an, nicht das Jahr, in dem der Schaden verursacht wurde. Sie wird in Vorratsfestmetern erfasst und ein Auszeigeprotokoll ausgefüllt. Dieses wird anschließend in ein EDV-System zur Erstellung der Forststatistik eingepflegt.

    Betroffene Sektoren

    • Forstwirtschaft

    • Siedlungen

    • Verkehrsinfrastrukturen

     

    Vergleich

    In Tirol nimmt das Schadholz durch Windwurf, Schneedruck, Lawinen und Muren erkennbar zu (Schadholzmenge im Tiroler Wald, 2003 bis 2020). Besonders stark hervorstechen bei der Schadholzmenge durch Schneedruck die Jahre 2012 und 2019, bei Windwurf die Jahre 2015 und 2018. In ganz Österreich ist ein Anstieg der Schadholzmengen durch biotische Schäden (vor allem Borkenkäfer), Sturm (Windwurf) und Schneedruck erkennbar (7). Was die Schadholzmenge durch Windwurf betrifft, waren die Jahre 2007 und 2008 aufgrund mehrerer Sturmgroßereignisse besonders stark betroffen. In der Folge nahmen die Kalamitätsnutzungen von Käferholz entsprechend zu.

    Verwandte Indikatoren

    Überdurchschnittlich feuchte Bedingungen

    im Jahr 2024 laut SPEI-6

    Trockenheit

    + 118 mm

    mehr Starkniederschlag im Jahr 2024 im Vergleich zu 1980, basierend auf dem linearen Trend

    Starkniederschlag

    6 % weniger

    Schneebedeckung unterhalb von 1000 Höhenmetern in Südtirol seit 2002

    Schneebedeckung

    17.034 Blitze

    im Jahr 2024

    Anzahl der Blitze

    Weiterführende Forschung an der Eurac

    Quellenverzeichnis

    1.     European Environmental Agency. 2017: Trends and projections in Europe 2017: Tracking progress towards Europe's climate and energy targets.- EEA ReportNo 17

    2.     Autonome Provinz Bozen – Südtirol, 2004: Agrar- und Forstbericht 2003. Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Bevölkerungsschutz

    3.     Autonome Provinz Bozen – Südtirol, 2020: Agrar- und Forstbericht 2019. Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Bevölkerungsschutz.

    4. Autonome Provinz Bozen – Südtirol, 2022: Agrar- und Forstbericht 2022. Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Bevölkerungsschutz.

    5.     Zebisch M., Vaccaro R., Niedrist G., Schneiderbauer S., Streifeneder T., Weiß M. L., Troi A., Renner K., Pedoth L., Baumgartner B., Bergonzi V., 2018: Klimareport – Südtirol 2018, Bozen, Italien: Eurac Research

    6. Reichstein, M., Bahn, M., Ciais, P. et al., 2013: Climate extremes and the carbon cycle. Nature 500, 287–295. https://doi.org/10.1038/nature12350

    7.     Ebner, G., 2020: Schadholzbilanz in Mitteleuropa (Trends, Folgen für Waldbesitzer und Abnehmer).- „Holzmärkte im Umbruch“, Forstökonomische Tagung 2020/Webinar.

    Kontakt

    Eurac Research: Christian Hoffmann, Institut für Regionalentwicklung

    Daten bereit gestellt von: Amt für Forstplanung, Autonome Provinz Bozen

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