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Mehr als die Hälfte der Fauna schon erfasst

Biodiversitätsmonitoring Südtirol

© Eurac Research/ Annelie Bortolotti
20 May 2020

Ein Jahr nach offiziellem Projektstart sind südtirolweit bereits über 1.100 Tier- und Pflanzenarten erhoben. Für die untersuchten Tiergruppen bedeutet das, dass Expertinnen und Experten schon mehr als die Hälfte der in Standardwerken zu Südtirol erfassten Arten identifiziert haben. Mit dem systematischen und langfristig angelegten Biodiversitätsmonitoring möchten sie erstmals ein genaues Bild über die Artenvielfalt und ihre Entwicklung in Südtirol liefern.

Welchen Einfluss der Corona-bedingte Lockdown auf die Tier- und Pflanzenwelt in Südtirol hat, lässt sich gegenwärtig nicht sagen, da es noch keine fundierten Daten dazu gibt, wie unser Forscherteam betont. Es werde sich jedoch anhand von mehrjährigen Erhebungen zeigen, ob 2020 ein außergewöhnliches Diversitätsjahr ist. Insgesamt liegen gemäß Projektvorhaben noch vier Erhebungsjahre vor den Forschern, an denen mehr als 250 weitere Standorte beprobt werden. Die Bilanz nach dem ersten Arbeitsjahr: 86 Vogelarten – das sind gut die Hälfte der im Südtiroler Brutvogelatlas aufgelisteten Arten – sind anhand ihres Gesangs schon identifiziert; dazu kommen 49 erfasste Heuschreckenarten, 104 Schmetterlingsarten und 15 Fledermausarten – jeweils mehr als die Hälfte der für Südtirol bekannten Arten – sowie 850 verschiedene Gefäßpflanzen. „Es überrascht uns im positiven Sinn, dass es uns gelungen ist, nach einem Jahr und einem Fünftel der gesamten Standorte schon einen so hohen Prozentsatz der Arten zu finden. Das zeigt, dass unsere Arbeit gut vorangeht und wir mit unserem Ansatz die Biodiversität in Südtirol gut abbilden können“, freut sich Andreas Hilpold, der das Biodiversitätsmonitoring Südtirol koordiniert. Die flächendeckende Bestandsaufnahme ist sehr aufwendig, rund 15 Experten aus dem In- und Ausland sind für das Monitoring in Südtirol unterwegs, darunter Insektenforscher, Fledermausexperten, Bodenökologen und Spezialisten für Moospflanzen.

Insektenforscher Elia Guariento beim Einfangen der Schmetterlinge© Eurac Research | Martina Jaider

Wie wichtig ein solches Monitoring nach festgelegtem Standardprotokoll ist, erklärt Hilpold: „In der Datenbank des Naturmuseums Südtirol gibt es schon über eine Million Einzeldaten zur Flora und Fauna vom 19. Jahrhundert bis heute. Die Daten sind zwar wertvoll, allerdings sind sie nur zu einem sehr kleinen Teil systematisch erhoben worden und zum Teil auch sehr ungenau verortet. Daher lassen sich daraus nur schwer exakte Rückschlüsse über Entwicklungstrends und ökologische Zusammenhänge ziehen.“ Die aktuelle systematische Bestandsaufnahme soll fortlaufend wiederholt werden, damit die Forscher verstehen können, wie sich die eingesetzten Methoden in der Landnutzung – wie zum Beispiel das Düngen – auf einzelne Organismengruppen auswirken und wie sich die Biodiversität mit der Zeit verändert, in bestimmten Landschaftstypen, auf bestimmten Höhenstufen und im gesamten Land.

Dass wir heute wissenschaftlich nachweisen können, dass es den Klimawandel gibt, verdanken wir auch dem weltweiten genormten meteorologischen Netzwerk. In der Biologie gibt es diese Standards noch nicht. Wir sind dabei, sie mitzudefinieren.

Ulrike Tappeiner, Leiterin des Biodiversitätsmonitorings Südtirol

Ulrike Tappeiner, Ökologin von Eurac Research und Leiterin des Biodiversitätsmonitorings, erwartet noch viele spannende Ergebnisse: „Es wird von Jahr zu Jahr hochinteressante Ergebnisse im Biodiversitätsmonitoring Südtirol geben. Dass wir heute wissenschaftlich nachweisen können, dass es den Klimawandel gibt, verdanken wir auch dem weltweiten genormten meteorologischen Netzwerk. In der Biologie gibt es diese Standards noch nicht. Wir sind dabei, sie mitzudefinieren“, und unterstreicht, dass es beim Erhalt der Biodiversität nicht um das Überleben eines einzelnen schönen Schmetterlings gehe. „Es geht auch um die Wahrung wirtschaftlicher Grundlagen für die kommenden Generationen.“

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Die Ergebnisse aus dem ersten Jahr im Überblick

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