Wo Veränderungen Wurzeln schlagen
Lina Rodriguez dokumentiert, wie sich Gemeinschaften in den Anden an Klimaveränderungen anpassen
Bergregionen sind besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels, aber auch sehr empfänglich für nachhaltige Entwicklung. Die rasche Erwärmung in diesen Gebieten trifft auf die Lebensgrundlage von über einer Milliarde Menschen, die weltweit direkt oder indirekt von ihren Ökosystemen abhängig sind. Lina Rodriguez, Forscherin bei GLOMOS und Doktorandin an der Universität Genf, wollte verstehen, wie sich verschiedene Bevölkerungsgruppen anpassen, und begab sich im Rahmen des Programms „Adaptation at Altitude,” finanziert durch die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), im Mai dieses Jahres auf eine Forschungsmission nach Argentinien und Kolumbien. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern untersuchte Rodriguez, welche Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt und umgesetzt wurden, um die Resilienz der Bevölkerung zu stärken und fragile Bergökosysteme zu schützen.
Lina Rodriguez während eines Interviews in der Gemeinde Tambillo. Provinz Jujuy, Argentinien
Credit: Lina Rodriguez | All rights reserved„Die Anpassung beschränkt sich nicht nur auf technische Maßnahmen. Sie fördert die Bildung, regt Innovationen an und diversifiziert die Einkommensquellen innerhalb der Gemeinschaften. So wird die Widerstandsfähigkeit der Menschen gestärkt. Und auch die der Ökosysteme, von denen sie abhängig sind.“
Lina Rodriguez

Berge entlang der Straße in Richtung Purmamarca. Provinz Jujuy, Argentinien.
Credit: Lina Rodriguez | All rights reserved„Die Anpassung beschränkt sich nicht nur auf technische Maßnahmen. Sie fördert die Bildung, regt Innovationen an und diversifiziert die Einkommensquellen innerhalb der Gemeinschaften. So wird die Widerstandsfähigkeit der Menschen gestärkt. Und auch die der Ökosysteme, von denen sie abhängig sind.“ Rodriguez betont außerdem: „Die Migration jüngerer Generationen hat vielerorts dazu geführt, dass Gemeinschaften zerfallen sind und traditionelle Praktiken aufgegeben wurden. Erfolgreiche Anpassungsmaßnahmen können auch die Rückkehr in die Heimat zu einer realistischen und attraktiven Option machen.“

Techniker von Wetlands International mit Gemeindemitgliedern in der Nähe der Laguna de Pozuelos. Provinz Jujuy, Argentinien.

Techniker von Wetlands International zeigen das Ergebnis einer Renaturierungsmaßnahme in einem Feuchtgebiet. Biosphärenreservat Laguna de Pozuelos, Provinz Jujuy, Argentinien.
Im Einzugsgebiet des kolumbianischen Tota-Sees belastet der intensive Anbau von Frühlingszwiebeln die Wasserressourcen und die Artenvielfalt. Um darauf zu reagieren und Naturschutz und ein regelmäßiges Einkommen zu vereinen, wenden sich die Gemeinschaften vermehrt dem nachhaltigen Tourismus zu, insbesondere der Vogelbeobachtung. In der argentinischen Puna-Hochebene führen unvorhersehbare Niederschläge und anhaltende Dürren vermehrt dazu, dass Feuchtgebiete und Graslandschaften verkommen. Naturbasierte Lösungen, die darauf abzielen, die Wasserrückhaltung und -verteilung in Feuchtgebieten wiederherzustellen, helfen hier der Bevölkerung, die Bodenerosion zu mindern und die Viehzucht zu schützen. Außerdem haben Maßnahmen wie die Installation von Solarpumpen den Alltag besonders für Frauen verändert, die früher stundenlang unterwegs waren, um Wasser für ihre Familien und ihr Vieh zu holen.
Rodriguez erklärt: „Der Schlüssel für eine erfolgreiche Anpassung liegt darin, die Bevölkerung auf eine sinnvolle Art und Weise einzubinden und das indigene und lokale Wissen von Beginn der Initiativen an zu nutzen und zu achten. Langjährige kulturelle Bindungen an das Land, lokale Führungskräfte und gemeinsame Planungsbemühungen haben zu stärkeren, widerstandsfähigeren Gemeinschaften und Ökosystemen beigetragen.“ Wie wichtig die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Organisationen und langfristige Partnerschaften sind, fasst Rodriguez so zusammen: „Wirksame Lösungen entstehen oft erst dann, wenn wir denen zuhören, die ihr Gebiet am besten kennen.“
Die Bevölkerung im Einzugsgebiet des Totasees hat gemeinschaftsbasierte Tourismusinitiativen ins Leben gerufen. Im Bild mit jungen Mitarbeitern des Vermehrungs- und Keimungszentrums im Hochgebirge. Tota, Boyaca, Kolumbien.
Credit: Eurac Research | Lina Rodriguez


