Start einer Zusammenarbeit zwischen Eurac Research und der Stadt Bozen im Rahmen des REROAD-Projekts
Die Straßen in unseren Städten wurden lange Zeit darauf ausgerichtet, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu kommen. Doch ist das noch ihre einzige Aufgabe? Erfahrungen aus mehreren europäischen Städten zeigen: Wie urbane Straßen gestaltet sind, beeinflusst die Lebensqualität und den sozialen Zusammenhalt und kann die Biodiversität fördern. Wie sich dieses Potenzial nutzen lässt, untersucht das europäische Projekt REROAD. Es ist im Januar gestartet und wird von Eurac Research koordiniert. Neun Partner sind beteiligt, darunter drei Städte, die als Fallbeispiele dienen – eine davon ist Bozen. Mit der Auftaktveranstaltung des Projekts in der vergangenen Woche im NOI Techpark begann offiziell die Zusammenarbeit zwischen den Forschungspartnern und den beteiligten Stadtverwaltungen.
In den kommenden Monaten wird das Team von Eurac Research mit Unterstützung der zuständigen Gemeindeämter die Straßen in Bozen erfassen und in Kategorien einteilen. Dabei prüfen die Forschenden auch, wie sich einzelne Straßen weiterentwickeln lassen. Anschließend startet ein partizipativer Prozess, genannt „Urban Living Lab“. Daran beteiligen sich Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Forschende. Gemeinsam erarbeiten sie Grundlagen und konkrete Maßnahmen, die in bestehende Planungsinstrumente der Stadt einfließen sollen. Ziel ist ein Straßenmanagement, das Grünflächen stärkt und die soziale Funktion des öffentlichen Raums berücksichtigt.
„Für eine Stadtverwaltung bringt die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen stets innovative Impulse, deshalb beginnen wir dieses neue Projekt mit Freude. Der Dialog mit anderen europäischen Städten wird uns außerdem ermöglichen, weitere Erfahrungen kennenzulernen und bestmöglich in die Entwicklungsvision der Stadt zu integrieren“, erklärt Bozens Bürgermeister Claudio Corraratti zum Projekt.
Auf europäischer Ebene wächst die Aufmerksamkeit für die Rolle öffentlicher Räume, wenn es darum geht, Umweltgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Ergebnisse aus ähnlichen Projekten zeigen, dass naturnahe Umgestaltungen und sogenannte naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) die Biodiversität stärken und Städte widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel machen. Grünflächen schaffen versickerungsfähige Böden und wirken sich positiv auf das Stadtklima aus. Sie verbessern zudem die Luftqualität, mindern Hitzeinseln und schaffen Orte für Begegnung und Erholung. „Angesichts der klimatischen Herausforderungen brauchen wir einen integrierten Ansatz, bei dem sich Natur, Technologie und Energie gegenseitig ergänzen. Diesen Weg gehen wir gemeinsam mit der Gemeinde Bozen in all unseren Projekten“, betonte Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research, bei der Auftaktveranstaltung.
„Das Projekt ist ambitioniert, weil es die Umgestaltung öffentlicher Räume mit Fragen sozialer Ungleichheit verbindet. Gemeinsam mit Partnern wie der Chalmers University of Technology in Göteborg, die über umfassende Erfahrung in der nachhaltigen Aufwertung öffentlicher Räume verfügt, können wir diesen Ansatz weiterentwickeln. Für Bozen ist das eine wichtige Chance“, sind sich https://www.eurac.edu/de/projects/reroad einig, die das Projekt leiten.
Am Projekt REROAD beteiligen sich sechs europäische Universitäten und Forschungszentren sowie die Städte Bozen, Coimbra (Portugal) und Granada (Spanien). Es wird im Rahmen des europäischen Programms „Driving Urban Transition“ (DUT) durchgeführt und vom italienischen Ministerium für Universität und Forschung kofinanziert.

