Italien hat kürzlich Femizid als eigenständigen Straftatbestand anerkannt und plant, diesen mit einer eigenen rechtlichen Klassifikation und klar definierten Strafen gesetzlich zu verankern. Künftig soll das Töten einer Frau – weil sie eine Frau ist – mit lebenslanger Haft geahndet werden. Dieser rechtliche Schritt stellt zweifellos einen wichtigen Fortschritt dar. Doch er reicht nicht aus, um das tief verwurzelte, strukturelle Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt zu lösen. In Italien wird alle 72 Stunden eine Frau getötet, meist durch ihren (Ex-)Partner. Diese erschreckende Realität macht deutlich: Es braucht mehr als nur Gesetzesänderungen. Ein echter Wandel erfordert einen kulturellen Bewusstseinswandel im Verständnis von Geschlechterverhältnissen, Gewalt und Prävention. Ebenso notwendig ist ein neues Bewusstsein für die Rolle der Medien, die sowohl gesellschaftliche Diskurse mitgestalten als auch widerspiegeln.
Dieses Forschungsprojekt untersucht, wie Femizid in den lokalen Medien Südtirols dargestellt wird – sowohl in italienisch- als auch in deutschsprachigen Beiträgen. Wir analysieren die Narrative, Muster und Framing-Strategien, die in der Berichterstattung verwendet werden, und fragen beispielsweise, ob diese Darstellungen - bewusst oder unbewusst - zu einer Opfer-Täter-Umkehr beitragen oder eine Kultur des Victim Blaming fördern. Im Zentrum steht die Frage, ob und wie mediale Narrative patriarchale Weltanschauungen widerspiegeln, verstärken oder hinterfragen und so das gesellschaftliche Verständnis von geschlechtsspezifischer Gewalt beeinflussen.
Gerade in Südtirol kommt lokalen Medien eine besondere Bedeutung zu, da sie im Spannungsfeld kultureller und sprachlicher Vielfalt agieren und diese mitprägen. Wie Femizide in diesen Medien behandelt werden, gibt entscheidende Hinweise darauf, ob und wie diese Form von Gewalt öffentlich sichtbar gemacht, hinterfragt oder normalisiert wird. Mit diesem Projekt wollen wir zu einer kritischen Auseinandersetzung mit medialer Verantwortung beitragen, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt schärfen und ethisch verantwortungsvollere Formen der Berichterstattung fördern.



