Unsere spätmodernen Gesellschaften sind von tiefgreifenden Verlusterfahrungen geprägt. Im Zeichen des Anthropozäns manifestieren sich diese insbesondere im Verhältnis der Gesellschaften zu ihrer natürlichen Umwelt. So erleben alpine Regionen gegenwärtig den schleichenden Verlust von „natürlichem“ Schnee. Während verzauberte Winterlandschaften aber zunehmend seltener werden, bleib die Verfügbarkeit von Schnee dennoch ein zentrales Versprechen der Tourismus- und Freizeitindustrie. Eingelöst wird dieses Versprechen durch technische Beschneiung.
Technisch produzierter Schnee ist aber nicht bloß Substitut von „echtem“ Schnee – und kann es auch nicht sein. Er ist vielmehr verfügbargemachte Natur. Als solche lässt sich Schnee nach Belieben produzieren, und zwar relativ unabhängig von seinen natürlichen Bedingungen: also wann, wo und wie man diesen gerade haben will. Als modulierbare Natur ist technischer Schnee aber vor allem Bindeglied heterogener Assoziationen, von gesellschaftlichen Naturverhältnissen, regionalen Wertschöpfungsketten, technologischen Imaginationen, kulturellen Praktiken oder Nachhaltigkeitskontroversen.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt zum einen, inwiefern Schnee als technisch form- und nutzbare Ressource imaginiert wird. Zum anderen wird analysiert, inwiefern die Schneeproduktion ein soziotechnisches Netzwerk versammelt, das ökonomische, politische, soziale und biophysikalische Elemente miteinander verknüpft.




