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Acht Prozent: Weshalb der Tourismus seine Emissionen unterschätzt

Vortragsabend und Podiumsdiskussion mit Helga Weisz, Stefanie Prieth, Raffael Mooswalder, Thomas Gruber, Kurt Resch und Harald Pechlaner

30.05.2025

Credit: Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) | Klemens Karkow | All rights reserved

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Podiumsdiskussion mit lokalen Expertinnen und Experten

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Raffael Mooswalder, Direktor des Hoteliers- und Gastwirteverbands - HGV, Stefanie Prieth, Destination Manager bei IDM Südtirol, Thomas Gruber, Corporate Sustainability Manager im Bereich „Nachhaltige Innovation & ESG“, Michaeler & Partner und Kurt Resch, Leiter des Bio & Bikehotels „Steineggerhof“ mit Helga Weisz und Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies, über konkrete Lehren und Handlungsansätze, aber auch Herausforderungen für den Südtiroler Kontext.

Transformation durch Begleitung und Beratung machbar machen

Wie kann es einer großen mitgliederorientierten Organisation wie dem HGV gelingen, seine Mitglieder auf diesem Weg der Transformation mitzunehmen? Transformation sei schmerzhaft, unterstrich Raffael Mooswalder, müsse aber gestaltet werden – über Begleitung und Beratung der Mitglieder, Best-Practice-Beispiele und pragmatische Angebote. Insbesondere kleine Betriebe, die nicht über entsprechende personelle oder finanzielle Ressourcen verfügen, dürften durch bürokratischen Aufwand nicht überfordert werden. Innovation könne hier helfen, Nachhaltigkeit praktikabler zu gestalten.

Südtirol bediene bereits viele richtige Hebel in Sachen Energieeffizienz, Gebäudestandards und Mobilität. Gleichzeitig müsse man aber auch über bauliche Limitierungen sprechen, die es gesetzlich verankert im Landes-Tourismusentwicklungskonzept bereits gebe, etwa durch die Bettenobergrenze. Auch sei Südtirol ist im Bereich Energieproduktion – insbesondere durch Wasserkraft und zunehmende Solarenergie – grundsätzlich gut aufgestellt. Doch es gebe auch Zielkonflikte: „Viele möchten etwa ihre Garage oder ihr Carport mit Photovoltaik ausstatten, scheitern aber an urbanistischen Vorgaben. Solche Widersprüche müssen wir auflösen, wenn wir den Wandel wirklich ernst nehmen.“

Kosteneffizienz und Klimarisikoanalysen als Treiber

Was sind die Beweggründe für Unternehmen, sich auf den Weg in Richtung Nachhaltigkeit zu begeben? „Ein zentraler Treiber ist häufig das Thema Kosteneffizienz“, betonte Thomas Gruber. „Wenn es gelingt, Betrieben nachvollziehbar aufzuzeigen, welche Einsparungen sich etwa durch Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen oder Wasserspartechnologien realisieren lassen – oft schon mit vergleichsweise geringem Aufwand –, dann wird Nachhaltigkeit auch aus wirtschaftlicher Sicht attraktiv. Gleichzeitig werden dabei auch Ressourcen geschont.“ Ein weiterer, oft sogar entscheidender Aspekt sei die Frage: Bringt mir das einen Vorteil am Markt? Unternehmen wollen wissen, ob sich nachhaltiges Handeln in Form von höherer Zahlungsbereitschaft der Gäste oder einem besseren Image tatsächlich auszahlt. „Studien wie die aktuelle Umfrage von Booking.com mit über 32.000 Teilnehmenden zeigen: Rund 80 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen nachhaltiges Reisen wichtig ist. Über 60 Prozent sagen sogar, sie wären bereit, dafür mehr zu bezahlen – etwa für eine Übernachtung in einem nachhaltig geführten Betrieb.“ Dabei sei jedoch Vorsicht geboten: Solche Aussagen unterliegen oft dem Effekt sozial erwünschter Antworten. Im Urlaub handelten Gäste häufig auch weniger nachhaltig, als sie es im Vorfeld angeben würden.

Ein weiterer wichtiger Treiber für die Zukunft sei das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz - vor allem in der Erfassung von Treibhausgasemissionen, aber auch Versicherungen und Darlehen. „Dort werden Klimarisikoanalysen eine zunehmende Rolle spielen“, betonte Gruber und zitierte ein Vorstandsmitglied der Allianz Versicherung der treffend formulierte: „Einen brennenden Planeten kann man nicht versichern.“ Auch Banken seien ab 2026 verpflichtet, Klimarisiken in ihre Bewertungen einzubeziehen – sowohl intern als auch gegenüber ihren Kundinnen und Kunden. Betriebe werden künftig umfassende Daten zu CO₂-Fußabdruck, Energie- und Wasserverbrauch sowie Governance liefern müssen. Diese Kriterien fließen direkt in die Kreditwürdigkeit und Finanzierungsmöglichkeiten ein.

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