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Sextner Kamingespräche: Der Tourismus muss selbst Denkprozesse anstoßen

Eurac Research, Sexten Kultur und der Tourismusverein Sexten stellen leistbares Wohnen und die soziale Verantwortung des Tourismus in den Fokus der Sextner Kamingespräche

09.10.2023

Christoph Rainer, Ulla Hell, Lukas Krösslhuber, Daria Habicher, Evelyn Ikrath, Harald Pechlaner, Judith Rainer, Christian Steiner, Andreas Flora und Ivan Bocchio

Credit: Christian Tschurtschenthaler | All rights reserved

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Andreas Flora
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Christian Steiner
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Harald Pechlaner
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Lukas Krösslhuber, Daria Habicher, Harald Pechlaner, Ivan Bocchio und Evelyn Ikrath diskutierten bei den Sextner Kamingesprächen über die soziale Verantwortung des Tourismus
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Lukas Krösslhuber, Daria Habicher, Harald Pechlaner
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Ivan Bocchio, Evelyn Ikrath
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Lukas Krösslhuber, Daria Habicher
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Harald Pechlaner, Ivan Bocchio
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Christoph Rainer
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Harald Pechlaner, Judith Rainer, Maximilian Walder, Felix Windegger, Valentin Wallnöfer, Nadia Agstner, Maria Luise Hofer, Greta Erschbamer und Valeria von Miller
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Tourismus kann noch immer „Agent of Change“ sein

„Es braucht Fantasie für das Undenkbare, für alternative Entwicklungen und auch radikale Veränderungen“, betonte Andreas Flora. Er ist freischaffender Architekt und lehrt am Institut für Gestaltung der Universität Innsbruck. Im 19. Jahrhundert habe der Tourismus die hintersten Bergtäler auf den Kopf gestellt und auch gegenwärtig habe er noch das Potential ein „Agent of Change“ zu sein. „Wichtigstes Kapital des Tourismus ist die intakte Naturlandschaft und das stimmt mich optimistisch, dass die Branche sich auch für deren Schutz einsetzt. Der Schutz darf sich aber nicht nur auf die Berggebiete beschränken. Die Tallandschaften sind für die Ökologie ebenso wichtig“. Es gelte daher, unkonventionell zu denken, etwa an neue Siedlungsarchipele auf bereits intensiv genutzten Flächen wie etwa Skipisten, an autofreie Mobilitätslösungen mittels Seilbahnen, an Mehrgenerationenhäuser oder an vertikale Städte.

Einer ähnlichen Argumentation folgte Ivan Bocchio vom Institut für Technologie und Architektur an der ETH Zürich. „Jede und jeder denkt an das eigene Haus, die eigene Wohnung, das eigene Hotel, das eigene Zimmer. Doch unsere Wohnungen sind nur so schön, wie die Straße, die Plätze, die Wiese, auf die wir schauen!“ Man müsse weg vom Kubaturdenken und hin zu einem gemeinsamen Gesamtbild kommen.

Soziale Entwicklung ist genauso wichtig

„Entwicklung kann nur im Einklang mit der Bevölkerung geschehen“, weiß auch Daria Habicher, Projektverantwortliche des PNRR-Projektes der Gemeinde Stilfs zu Aufwertung und Wiederbelebung des Dorfes im Vinschgau, das besonders stark von Abwanderung betroffen ist. Bei allen Entwicklungen, die derzeit vonstattengehen, komme die soziale Entwicklung nicht nach. Wenn Tourismus Veränderungskraft sein will, muss die Branche auch neue Arbeits- und Organisationsmodelle zulassen und sich etwa auch damit auseinandersetzen, was es bedeutet, wenn junge Vertreterinnen und Vertreter der Branche an Schrumpfung anstatt Erweiterung denken.

In Bad Gastein hingegen entstehen gerade hunderte neue Betten. Dafür fand Evelyn Ikrath klare und kritische Worte: „Was nicht entsteht, sind Wohnraum, Mobilitätslösungen und Kinderbetreuung für die Menschen, die in der Destination leben und arbeiten - nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels ein fahrlässiges Versäumnis. Investoren sind nicht die Lösung und auch auf die Politik kann man nicht immer warten. Der Tourismus muss selbst Denkprozesse anstoßen.“ Dem stimmte auch Lukas Krösslhuber, Geschäftsführer des Tourismusverbands Wilder Kaiser zu. Als Tourismusverband habe man sich freiwillig dazu entschieden, keine zusätzlichen Betten mehr zuzulassen und dafür bestehende Kapazitäten besser zu nutzen und die Branche in Sachen Neuausrichtung beratend zu unterstützen. Auch illegale Zweitwohnsitze versuche man mittels Kontrollgremien ausfindig zu machen und zu unterbinden.

Die Tourismusbranche müsse proaktiver werden, betonte Harald Pechlaner, Leiter des Center for Advanced Studies von Eurac Research und Professor für Tourismus an der Katholischen Universität Eichstätt‐Ingolstadt zusammenfassend. Vor allem in Südtirol sehe man touristisch hochentwickelte Orte, die der Entwicklung in vielen anderen Bereichen aber weit hinterherhinken. Man brauche auf Ortsebene klare Vorstellungen, wer in den Tälern, Orten und Städten zukünftig leben soll und wie diese Orte aussehen sollen.

Die Sextner Kamingespräche wurden vom Center for Advanced Studies von Eurac Research, dem Tourismusverein Sexten und Sexten Kultur organisiert. Die Grußworte überbrachte Christoph Rainer, Präsident des Vereines Sexten Kultur.

Keynote-Präsentationen

Vergangene Ausgaben

  • 2022 | Sextner Kamingespräche "Von der Destination zum Lebensraum – Partizipation als Königsweg?"
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  • 2020 | Vortragsabend im Rahmen des GMS Forum: "Respekt vor dem wertvollen Naturraum der Berge"

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